Review

Tales of the Neon Sea

Auf der Gamescom 2018 angespielt – sofort verliebt – sehnsüchtig erwartet – nun endlich spielbar. Die neue Adventure-Puzzle-Indie-Perle Tales of the Neon Sea entwickelt von Palm Pionieer und published by Zodiac Interactive könnte sich in dem leicht unterbesetzten Genre als eine bunte Offenbarung für Knobelfans herausstellen.

„Die Welt ist gebaut auf einer Mauer, die die Arten trennt. Erzählen wir beiden Seiten, es gibt keine Mauer handeln wir uns einen Krieg ein“ – Blade Runner 2049

In Form eines farbgewaltigen Pixel-Abenteuers entführt uns Tales of the Neon Sea in eine Blade-Runner-Esque Zukunftswelt, in der Roboter und Menschen zumindest auf dem Papier eine friedliche Koexistenz anstreben. In der Praxis sieht dies jedoch anders aus. Eine reibungslose Symbiose zwischen Roboter und Mensch scheint in jedem Szenario zum Scheitern verurteilt. Auch hier wird ein andauernder Konflikt geführt, welcher – gut geölt durch Misstrauen und Intrigen – den Kontext unseres Abenteuers schafft.

Wir spielen Ex-Polizeiermittler Nebel, der seine besten Tage als Spürnase hinter sich hat und seitdem seine Zeit – neben dem Konsum von Rauschmitteln – mit dem Annehmen kleinerer detektivischer Auftragsarbeiten verbringt.

Ohne zu wissen, was passiert ist, erwachen wir in einer düsteren Gasse und unsere erste Mission besteht darin, humpelnden Schrittes dem Tod zu entkommen. Schon direkt in die ersten Rätselmissionen hereingeworfen, erfahren wir immer mehr über unsere Person und die knallbunte Cyberpunk-Welt, in der wir existieren. Auf kreative und eingängige Art wird man schnell an die Steuerung und grundlegende Mechaniken herangeführt. Die Rätsel sind logisch aufgebaut und nach einigen Versuchen findet man sich schnell zurecht. In unserer ersten Amtshandlung besorgen wir uns durch eine kleine Tüftelei mit Hilfe verschiedener Drehmechaniken unseren verlorengegangenen Hut zurück. Ein Detektiv kann schließlich keine Fälle ohne seine stilechte Kopfbedeckung lösen.

Nach dem kurzen Tutorial folgt ein Rückblick, der uns gleich einige Jahre in die Vergangenheit zurückwirft. Hier setzt die eigentliche Handlung ein. Wir sind mit der Aufklärung eines anfänglich banal wirkenden Mordfalls beauftragt worden. Es wird nicht zu viel vorweg gegriffen, wenn wir sagen, dass sich innerhalb kürzester Zeit die Ereignisse überschlagen und wir uns inmitten einer möglichen Verschwörung befinden, deren Verursacher es scheinbar auf die brüchige Koexistenz von Robotern und Menschen abgesehen haben. Investigative Fertigkeiten sind hier gefragt! Ist dies der Anfang einer Roboter-Revolte? Sind die Gesetze Asimovs nichts mehr wert? Oder sind die Menschen das Problem?

Auf unserem Weg begleitet uns unser treuer Gefährte Wilhelm – ein schwarzer Kater, der uns bei der ein oder anderen Gelegenheit bei unseren Nachforschungen unterstützt. Wie sich im Verlauf des Spiels herausstellt, hat auch er in seiner Katzenwelt einige Ermiauttlungen zu führen. Nicht einmal Katzen können in dieser Zeit einer abgesicherten Zukunft entgegensehen.

“Stagnation macht meinen Geist rebellisch! Geben Sie mir Probleme, geben Sie mir Arbeit!” – Sherlock Holmes

In Tales of the Neon Sea erwartet uns ein Potpourri aus unterschiedlichen Rätseln. Von schlichten Puzzle- und Schieberätseln über anspruchsvolle Logikrästel bis hin zu höchster detektivischer Kombinationsgabe wird alles abverlangt, was ein wahrer Ermittler in seinem Portfolio vorweisen sollte. Je tiefer man in die Welt hineintaucht, desto anspruchsvoller werden auch die Rätsel. Zu einem gewissen Zeitpunkt fächert sich der bis dato recht lineare Spielverlauf zu einer großen Spielwelt mit zahlreichen Abzweigungen aus, in welcher man nicht selten überlegen muss, welchen (Tat-)Ort man als nächstes aufsucht.

“Trauen Sie niemals allgemeinen Eindrücken, mein Junge, sondern konzentrieren Sie sich auf Einzelheiten.” – Sherlock Holmes

Fazit:
Die fortgeschrittenen Rätsel sind sehr fordernd und verlangen einem nicht wenig Hirnschmalz ab, doch ist es diese Herausforderung, aus der auch der größte Reiz hervorgeht. Umso schwerer die zu knackende Kopfnuss, umso größer auch die anschließende Euphorie, wenn man die verdammten, versteckten Hinweise findet, die einen zu des Rätsels Lösung führen.
Die vielen kleinen Gimmicks, wie Anspielungen an Sherlock-Holmes oder Asimovs Robotergesetze, machen die liebevolle und detailreiche Gestaltung des Spiels aus. Tales of the Neon Sea besticht nicht nur durch seine Pixelgrafik, sondern auch durch die beinahe fiebrig-dystopische Atmosphäre, die durch unterschwellig wummernde Synthie-Sounds perfekt ergänzt wird. Es erinnert an einen spielbaren, mehrstufigen Escape-Room und kombiniert dabei in seiner Spielmechanik Spieleklassiker wie beispielsweise „The Witness“ oder „Day of the Tentacle“. Rätselfreunde und Kombinationsenthusiasten kommen voll auf ihre Kosten.

Devil May Cry 5

Zieht eure besten Hack and Slash-Schuhe an, Freunde, denn in der aktuellen Episode von Darf ich vorstellen geht es um Capcoms neuesten Streich, Devil May Cry 5.

Zusammen mit den dynamischen Dämonen-Dreschern m00sician und Miggi (Three Two Play) gehen Kris und Thomas der Action-Granate auf den Grund und finden heraus, ob sich das Warten gelohnt hat.

Trials Rising

Fünf Jahre ist es her dass Trials den letzten vollwertigen Titel serviert bekommen hat. Dementsprechend groß war auch die Freude für Kris, dass eine seiner Lieblings-Spielreihen in die nächte Runde geht. Serien-Neueinsteiger Thomas lies sich von diesem Hype anstecken und setzte sich mit auf das Trials-Tandem. Damit die beiden nicht alleine in die waghalsigen Abgründe der Streckenbaukunst aus dem Hause RedLynx blicken müssen, haben sie sich Motorsport-Samurai Phil in den Beiwagen gesetzt. Zusammen versuchen die drei zu ergründen, warum der Nischentitel so viel mehr ist als ein bockschweres Motorrad-Spiel.

Wie versprochen gibts hier noch die Verlinkungen zur University of Trials:
Twitter: @UniOfTrials
Twitch: twitch.tv/unioftrials
Youtube: youtube.com/UniversityOfTrials
Instagram: instagram.com/unioftrials

Und IBlubbiI:
Twitch: twitch.tv/iblubbii
Youtube: youtube.com/IBlubbii

Viel Spaß mit der neuen Folge Darf ich vorstellen.

Uns findet man unter @darfichfolgen auf Twitter, @darfichstreamen auf Twitch, @darfichknipsen auf Instagram und natürlich unter darfichvorstellen.com im Netz.

Metro Exodus

Nur ein halbes Jahr nach meinem 45-minütigem Anspieltermin auf der Gamescom 2018 halte ich bereits die Vollversion von Metro Exodus in meinen Händen. Mit dem großen Schritt aus den Tunnelsystemen der Vorgänger raus in die offene post apokalyptische Spielwelt ist man ein kleines Wagnis eingegangen. Schon einmal vorweg, der gute Ersteindruck wurde nicht getrübt und mit dem Nachfolger zu Metro 2033 und Metro: Last Light steht euch bereits im Februar eins der möglichen Spiele-Highlights 2019 ins Haus.

Die Metro-Reihe basiert auf den Romanen des russischen Autors Dmitri Gluchowski. Er hat es geschafft, ein düsteres Setting zu kreieren, in welchem sich die Überlebenden eines nuklearen Kriegs von der Oberfläche zurück in die Tunnelsysteme der Moskauer Metro zurückgezogen haben. Seitdem fristen die Menschen ein tristes Leben ohne Sonnenlicht. Nur die Mutigsten wagen sich mit Schutzanzügen und Gasmaske regelmäßig an die Oberfläche und versuchen neue Lebensmittel für ihre Stationen aufzutreiben.

Auf eurer Reise trefft ihr auf allerlei abgefahrene post apokalyptische Bauten.

Wir befinden uns wie schon in den ersten beiden Spielen in der Rolle von Artjom. Im Vergleich zu den Vorgängern begleiten wir unseren Helden wider Willen dieses Mal über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Das gibt dem Spiel die Möglichkeit, die Charaktere, die ihn auf seiner Reise begleiten, ausführlich vorzustellen und eine Bindung zu Ihnen aufzubauen. Da es sich bei Metro Exodus – ohne Übertreibung – um einen der besten Story-Egoshooter der letzten Jahre handelt, wollen wir euch hier in keiner Art und Weise die Story spoilern, sondern euch ermutigen, das Spiel in eure Sammlung zu integrieren, wenn nicht bereits geschehen. Durch den Jahreszeitenwechsel und die verschiedenen Locations, die ihr besucht, schafft es das Spiel mit Leichtigkeit, euch immer wieder zu überraschen und ins Staunen zu versetzen.

Gleiches kann man über die Grafik sagen. Schon immer hatte der Entwickler ein Händchen dafür, seine 4A-Engine ins rechte Licht zu rücken und grafisch in der obersten Liga mitzuspielen. Wenn ihr euch dafür entscheidet, das Spiel auf eurem Rechner zu spielen, kitzelt die Technik wirklich eine Menge aus dem System und selbst gut ausgestattete Gaming-Rechner werden entsprechend ausgereizt. Die Licht-Effekte sorgen spätestens im Zusammenspiel mit Nebel für ein glückliches Grinsen und strahlende Augen. Von kleinen Härchen auf den Fingerknöcheln bis hin zum Aussehen der Kleidung hat man hier wirklich eine große Liebe fürs Detail bewiesen. Gleiches gilt für die Animationen. Diese wirken in dem ein oder anderen Genre-Vertreter gerne einmal hölzern. Doch egal ob es das Nachladen ist oder das Abwischen von Schmutz auf der Gasmaske. Alles wirkt von den Bewegungsabläufen sehr durchdacht und lässt euch immer mehr zu Artjom werden. Der heimliche Star des Spiels ist aber aus technischer Sicht auf jeden Fall die Umgebung, in der man gerne verweilt und Details bewundert. Auch auf Konsolen sieht Metro Exodus sehr gut aus, fällt aber immer mal wieder unter die 30 FPS.

Die Soundkulisse ergänzt die Welt ideal. Ruhige Passagen werden von Mutanten-Geheul in der Ferne unterbrochen und sorgen für einen wohligen Schauer der euch den Rücken herabfährt. Die deutsche Sprachausgabe ist dialektfrei, während die englische Sprachausgabe mit russischem Akzent geliefert wird. Hier muss man für sich entscheiden, was einen mehr abholt. Aufgrund des russischen Originals, bleibt die Lippensynchronisation teilweise aus, darüber konnte ich aber leicht hinwegsehen.

Reichlich Mutationen treiben sich auf der Oberfläche rum und wollen euch ans Leder.

Mit knapp zwanzig Stunden Spielzeit ist Metro Exodus schon locker bis zu drei Mal so lang wie eine Großzahl der Konkurrenten im Ego-Shooter Bereich. Dann habt ihr aber nur einen Bruchteil der Spielwelt gesehen und die meisten optionalen Aufgaben schlicht links liegen lassen. In der Spielwelt selbst, habt ihr viele Optionen, mit Feinden umzugehen. Wenn ihr auf ein gegnerisches Camp stoßt, können schon kleinste Geräusche oder Unachtsamkeiten den Unterschied zwischen einer gelungenen Stealth-Passage oder einem hektischen Schusswechsel darstellen. Viele Kämpfe sind optional und im Vergleich zu den Vorgängern stellt sich die KI wesentlich cleverer an, als man es von dem Kanonenfutter teilweise gewohnt ist. Die ständige Munitionsknappheit wird euren Spielstil auch beeinflussen. Eins der coolsten Features ist die Abnutzung der Waffen, welche tatsächlich durch Dreck auf selbigen dargestellt wird. Deswegen solltet ihr in regelmäßigen Abständen an Werkbänken Pausen einlegen, um eure Waffen nicht nur zu verbessern, sondern auch zu reinigen. Dort lässt sich auch für die nächsten Konfrontationen Munition herstellen. Das Crafting-System ist generell gut ins Spiel integriert und geht flott von der Hand.

Fazit
Hands down. Metro Exodus ist sowohl technisch als auch spielerisch ein absolutes Highlight. Die Story hat mich über den kompletten Zeitraum gefesselt und gut unterhalten. Die Nebencharaktere rund um Artjom wurden gut geschrieben und wachsen einem mit jeder Spielstunde mehr ans Herz. Wenn man sich Zeit nimmt und Gespräche belauscht erfährt man viel über Wünsche und Motivation unserer Begleiter. Für mich auf jeden Fall ein Titel den man in vielen „Game of the Year“-Listen im Dezember wiedersehen wird. Entscheidungen geben einem das Gefühl, die Marschroute der Geschichte zu beeinflussen. Der Ausflug an die zerstörte Oberfläche ist zusammen mit Titanfall 2 für mich die stärkste Single-Player-Kampagne eines Ego-Shooters der letzten Jahre. Deswegen solltet ihr, wenn ihr Spaß an dem Genre habt, auf jeden Fall euer Ticket für die Metro buchen.