Metro Exodus

Nur ein halbes Jahr nach meinem 45-minütigem Anspieltermin auf der Gamescom 2018 halte ich bereits die Vollversion von Metro Exodus in meinen Händen. Mit dem großen Schritt aus den Tunnelsystemen der Vorgänger raus in die offene post apokalyptische Spielwelt ist man ein kleines Wagnis eingegangen. Schon einmal vorweg, der gute Ersteindruck wurde nicht getrübt und mit dem Nachfolger zu Metro 2033 und Metro: Last Light steht euch bereits im Februar eins der möglichen Spiele-Highlights 2019 ins Haus.

Die Metro-Reihe basiert auf den Romanen des russischen Autors Dmitri Gluchowski. Er hat es geschafft, ein düsteres Setting zu kreieren, in welchem sich die Überlebenden eines nuklearen Kriegs von der Oberfläche zurück in die Tunnelsysteme der Moskauer Metro zurückgezogen haben. Seitdem fristen die Menschen ein tristes Leben ohne Sonnenlicht. Nur die Mutigsten wagen sich mit Schutzanzügen und Gasmaske regelmäßig an die Oberfläche und versuchen neue Lebensmittel für ihre Stationen aufzutreiben.

Auf eurer Reise trefft ihr auf allerlei abgefahrene post apokalyptische Bauten.

Wir befinden uns wie schon in den ersten beiden Spielen in der Rolle von Artjom. Im Vergleich zu den Vorgängern begleiten wir unseren Helden wider Willen dieses Mal über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Das gibt dem Spiel die Möglichkeit, die Charaktere, die ihn auf seiner Reise begleiten, ausführlich vorzustellen und eine Bindung zu Ihnen aufzubauen. Da es sich bei Metro Exodus – ohne Übertreibung – um einen der besten Story-Egoshooter der letzten Jahre handelt, wollen wir euch hier in keiner Art und Weise die Story spoilern, sondern euch ermutigen, das Spiel in eure Sammlung zu integrieren, wenn nicht bereits geschehen. Durch den Jahreszeitenwechsel und die verschiedenen Locations, die ihr besucht, schafft es das Spiel mit Leichtigkeit, euch immer wieder zu überraschen und ins Staunen zu versetzen.

Gleiches kann man über die Grafik sagen. Schon immer hatte der Entwickler ein Händchen dafür, seine 4A-Engine ins rechte Licht zu rücken und grafisch in der obersten Liga mitzuspielen. Wenn ihr euch dafür entscheidet, das Spiel auf eurem Rechner zu spielen, kitzelt die Technik wirklich eine Menge aus dem System und selbst gut ausgestattete Gaming-Rechner werden entsprechend ausgereizt. Die Licht-Effekte sorgen spätestens im Zusammenspiel mit Nebel für ein glückliches Grinsen und strahlende Augen. Von kleinen Härchen auf den Fingerknöcheln bis hin zum Aussehen der Kleidung hat man hier wirklich eine große Liebe fürs Detail bewiesen. Gleiches gilt für die Animationen. Diese wirken in dem ein oder anderen Genre-Vertreter gerne einmal hölzern. Doch egal ob es das Nachladen ist oder das Abwischen von Schmutz auf der Gasmaske. Alles wirkt von den Bewegungsabläufen sehr durchdacht und lässt euch immer mehr zu Artjom werden. Der heimliche Star des Spiels ist aber aus technischer Sicht auf jeden Fall die Umgebung, in der man gerne verweilt und Details bewundert. Auch auf Konsolen sieht Metro Exodus sehr gut aus, fällt aber immer mal wieder unter die 30 FPS.

Die Soundkulisse ergänzt die Welt ideal. Ruhige Passagen werden von Mutanten-Geheul in der Ferne unterbrochen und sorgen für einen wohligen Schauer der euch den Rücken herabfährt. Die deutsche Sprachausgabe ist dialektfrei, während die englische Sprachausgabe mit russischem Akzent geliefert wird. Hier muss man für sich entscheiden, was einen mehr abholt. Aufgrund des russischen Originals, bleibt die Lippensynchronisation teilweise aus, darüber konnte ich aber leicht hinwegsehen.

Reichlich Mutationen treiben sich auf der Oberfläche rum und wollen euch ans Leder.

Mit knapp zwanzig Stunden Spielzeit ist Metro Exodus schon locker bis zu drei Mal so lang wie eine Großzahl der Konkurrenten im Ego-Shooter Bereich. Dann habt ihr aber nur einen Bruchteil der Spielwelt gesehen und die meisten optionalen Aufgaben schlicht links liegen lassen. In der Spielwelt selbst, habt ihr viele Optionen, mit Feinden umzugehen. Wenn ihr auf ein gegnerisches Camp stoßt, können schon kleinste Geräusche oder Unachtsamkeiten den Unterschied zwischen einer gelungenen Stealth-Passage oder einem hektischen Schusswechsel darstellen. Viele Kämpfe sind optional und im Vergleich zu den Vorgängern stellt sich die KI wesentlich cleverer an, als man es von dem Kanonenfutter teilweise gewohnt ist. Die ständige Munitionsknappheit wird euren Spielstil auch beeinflussen. Eins der coolsten Features ist die Abnutzung der Waffen, welche tatsächlich durch Dreck auf selbigen dargestellt wird. Deswegen solltet ihr in regelmäßigen Abständen an Werkbänken Pausen einlegen, um eure Waffen nicht nur zu verbessern, sondern auch zu reinigen. Dort lässt sich auch für die nächsten Konfrontationen Munition herstellen. Das Crafting-System ist generell gut ins Spiel integriert und geht flott von der Hand.

Fazit
Hands down. Metro Exodus ist sowohl technisch als auch spielerisch ein absolutes Highlight. Die Story hat mich über den kompletten Zeitraum gefesselt und gut unterhalten. Die Nebencharaktere rund um Artjom wurden gut geschrieben und wachsen einem mit jeder Spielstunde mehr ans Herz. Wenn man sich Zeit nimmt und Gespräche belauscht erfährt man viel über Wünsche und Motivation unserer Begleiter. Für mich auf jeden Fall ein Titel den man in vielen „Game of the Year“-Listen im Dezember wiedersehen wird. Entscheidungen geben einem das Gefühl, die Marschroute der Geschichte zu beeinflussen. Der Ausflug an die zerstörte Oberfläche ist zusammen mit Titanfall 2 für mich die stärkste Single-Player-Kampagne eines Ego-Shooters der letzten Jahre. Deswegen solltet ihr, wenn ihr Spaß an dem Genre habt, auf jeden Fall euer Ticket für die Metro buchen.

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