Heave Ho

Nachdem uns die Meldungen über verschobene Releases in den letzten Wochen zuhauf erreichten, lassen die nächsten großen Blockbuster noch ein bisschen auf sich warten. Warum also nicht mal schauen, welche kleineren Titel erschienen sind, nachdem nun Milliarden von virtuellen Kugeln bei Call of Duty verschossen und zigtausende (unschuldiger) Monster in Iceborne zu neuen Stiefeln umfunktioniert wurden? In Heave Ho gibt es Mord und Totschlag nur für euer Zwerchfell.

Das kooperative Partyspiel von Le Cartel Studio und Devolver gibt euch ein konkretes Ziel vor: „Don’t fall to your death!“ – Aufs einfachste heruntergebrochen handelt es sich bei Heave Ho um ein Geschicklichkeitsspiel, in dem euer größter Feind die Schwerkraft ist. Ihr findet euch in einer zweidimensionalen Welt wieder, in der es meist darum geht, vom linken zum rechten Bildschirmrand ins Ziel zu gelangen. Das ist mitunter sehr schwierig, denn der Weg wird allenfalls durch ein paar in der Luft schwebende Elemente vorgegeben, an denen ihr euch entlanghangeln müsst. Problem: Ihr seid ein Kopf mit Armen. Ganz recht, ein Kopf mit Armen. Das sieht nicht nur im positivsten Sinne total behämmert aus, sondern ist entscheidend für das Gameplay. Eure einzige Möglichkeit, sich fortzubewegen, ist mittels linkem und rechtem Trigger die jeweilige Hand zu schließen und sich an allem festzuhalten, was in die Reichweite eurer Griffel gelangt. Indem ihr Schwung holt könnt ihr Hindernisse überwinden. Zur Lachorgie wird das Ganze aber erst, wenn ihr euch mit bis zu 4 Personen vor der Konsole versammelt, denn dann entfaltet Heave Ho sein volles Partypotenzial. Wenn vier haar- und beinlose Orang-Utans versuchen, mittels Festhalten eine Kette zu bilden und durch Pendelbewegungen den richtigen Moment abpassen, um über eine Schlucht zu schwingen, dabei aber stattdessen Hand in Hand dem Boden entgegen rasen und die eigene Spielfigur Geräusche wie „Höhähühöä“ von sich gibt, bleibt kaum ein Auge trocken.

 Ohne Teamwork funktioniert hier nichts. Wie schon Gimli vor den Toren von Helms Klamm, braucht auch ihr mindestens einen Aragorn, der euch wirft. Doch schafft es jemand mal nicht ins Ziel oder geht im Laufe des Levels „verloren“, können die anderen einen Rettungsballon losschicken, der immerhin durch geschicktes Manövrieren seiner Bestimmung zugeführt werden muss. Erreicht keiner der Spieler das Ende des Levels, erscheinen nach etwa zehn Minuten Hilfselemente, an denen man sich über schwere Hindernisse hinweghangeln kann. Somit kann das Spiel auch jenen empfohlen werden, die weniger mit der Materie vertraut sind. Gleichzeitig bleibt das Spiel sehr knackig, entscheidet man sich gegen solche Hilfsmittel.

Das Leveldesign reicht von Dschungellandschaften über Zirkusmanegen, bis hin zum Panorama des Mount Fuji. Ständig wird ein neues Gimmick eingeführt: Gelegentlich sind Plattformen unsichtbar, ein anderes Mal nehmen euch wild kotende Vögel die Sicht und hin und wieder schreitet ein pupsendes Lama genüsslich durchs Bild. Uns hat der stumpfe Humor sehr gut gefallen. – Heave Ho lädt zum physikalischen Experiment ein und erzeugt dadurch immer wieder legendäre „Was soll’s“-Momente. Sind diese ohne jede Absicht von Erfolg gekrönt, dann seid euch sicher, wird dies ein goldener Moment der Freundschaft und der Glückseligkeit. Lasst ihr bei der nächsten Aktion aufgrund einer spontan entstandenen Links-Rechts-Schwäche euren Kameraden in ein Meer aus Stacheln fallen, steigert das hingegen die Backpfeifengefahr, mindert den Spielspaß jedoch in keinster Weise. Und wem das alles noch zu einfach ist, der kann in jedem Level Bonusmünzen sammeln und hin und wieder auch –level mit witzigen Minispielen freischalten. Für die gesammelte Währung können weitere Kostüme für euren Kopfarmler freigeschaltet werden.

Geht auch manchmal: Ohne Teamwork, stattdessen chaotisch und unkoordiniert ins Ziel. Wer zurückbleibt, wird ausgelacht.

Fazit:
Die quirlige Physik, die dümmlichen Gesichter und das ein oder andere Hauruckmanöver sorgen in jedem Fall für viele spaßige Abende. Spätestens wenn man herausgefunden hat, wie man sich gegenseitig durch das Level „boxen“ kann, gibt es kein Halten mehr. Man beginnt selbst die Geräusche, die die Figuren von sich geben, nachzumachen. Das Spiel befriedigt auf subtile Weise unseren inneren prä-pubertären Teenager, ohne dabei lächerlich oder langweilig zu werden und fordert zur selben Zeit unsere motorischen Fähigkeiten am Pad. Wer auf der Suche nach einem Titel für geballten Couch-Koop-Spaß ist – Heave Ho

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert